KI im Mittelstand
KI-Hackathon im Team: Wie Vibe Coding Hürden im Team abbaut
Die größte Hürde bei KI im Unternehmen ist selten die Technik. Es ist der Satz „Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll“ – und die stille Sorge, sich vor Kollegen zu blamieren. Ein KI-Hackathon räumt beides an einem einzigen Tag ab, weil er das Ausprobieren zur Aufgabe macht statt zur privaten Initiative.
Was ein KI-Hackathon im Mittelstand ist
Kein Wettbewerb für Entwickler, sondern ein festgelegter Zeitraum – meistens ein Tag –, in dem gemischte Zweier- oder Dreierteams eine echte Aufgabe aus dem eigenen Betrieb mit KI-Werkzeugen angehen. Am Ende zeigt jedes Team fünf Minuten, was es gebaut hat. Nicht alles funktioniert, und genau das ist Teil der Sache.
Vibe Coding: Beschreiben statt programmieren
Vibe Coding heißt, dass man ein Werkzeug in normaler Sprache beschreibt und die KI den Code schreibt. Wer noch nie programmiert hat, baut damit in zwei Stunden einen Rechner für Angebote, eine Auswertung aus einer Tabelle oder ein kleines Formular. Der Punkt ist nicht die Software – die ist meist ein Prototyp und wird später sauber neu gebaut. Der Punkt ist die Erfahrung: Ich habe beschrieben, was ich brauche, und es ist entstanden. Diese Erfahrung verändert die Haltung gegenüber KI schneller als jede Präsentation.
Wie ein KI-Hackathon Hürden im Team abbaut
Drei Dinge passieren an so einem Tag zuverlässig. Erstens: Die Rangordnung verschiebt sich. Oft ist es nicht die IT-affine Person, die das beste Ergebnis hat, sondern jemand aus der Buchhaltung, der den Ablauf am genauesten kennt. Zweitens: Fehler werden normal. Wenn alle sehen, dass die Hälfte der Versuche schiefgeht, verschwindet die Angst, etwas falsch zu machen. Drittens: Es entsteht eine gemeinsame Sprache. Nach dem Tag weiß das Team, was ein Prompt ist, warum Ergebnisse schwanken und wo man besser nachprüft.
Ein Ablauf, der sich bewährt hat
- Vorbereitung. Zwei Wochen vorher sammeln alle Aufgaben, die sie nerven. Aus der Liste wählt die Leitung sechs bis acht, die klein genug für einen Tag sind.
- Kurzer Einstieg, 45 Minuten. Was können diese Werkzeuge, was nicht, welche Daten dürfen hinein. Mehr Theorie braucht es nicht.
- Vier Stunden Arbeit. Gemischte Teams, eine Aufgabe pro Team, jemand steht für Fragen bereit.
- Präsentationen. Fünf Minuten pro Team, ausdrücklich auch das, was nicht geklappt hat.
- Entscheidung. Ein bis zwei Ergebnisse werden weiterverfolgt, der Rest wird dokumentiert und liegen gelassen.
Die Regeln, ohne die es nicht funktioniert
Keine echten Kundendaten, keine Zugangsdaten, kein Produktivsystem – gearbeitet wird mit Testdaten. Nichts von dem, was an dem Tag entsteht, geht ohne Prüfung in den Betrieb. Und: Der Tag wird nicht bewertet. Sobald eine Note im Raum steht, spielen alle auf Sicherheit, und der Zweck ist verfehlt.
Was danach passiert – und meistens vergessen wird
Der häufigste Fehler ist, den Hackathon als Event zu feiern und dann zum Alltag zurückzukehren. Planen Sie am selben Tag zwei Dinge: einen Termin in vier Wochen, an dem die weiterverfolgten Ergebnisse gezeigt werden, und eine benannte Person, die dafür Zeit im Kalender hat. Ohne diese beiden Punkte verpufft die Wirkung binnen eines Monats.
Lohnt sich der Aufwand?
Ein Tag mit zehn Personen kostet Sie rund achtzig Arbeitsstunden. Das ist viel. Dagegen steht, dass Sie danach nicht mehr einzeln überzeugen müssen, dass Ideen aus dem Team kommen statt von oben, und dass Sie sehr genau wissen, welche Abläufe sich für echte Automatisierung eignen. In den Betrieben, die wir begleitet haben, kamen die beiden ersten produktiven Workflows fast immer aus einer Hackathon-Idee.
Aufgaben, die sich für einen Tag eignen
Gute Hackathon-Aufgaben sind konkret, klein und haben ein sichtbares Ergebnis. Aus unseren Veranstaltungen: ein Rechner für Angebotspauschalen, eine Auswertung der Auftragsdaten aus einer Tabelle, ein Formular, das Baustellenprotokolle strukturiert erfasst, eine Vorlage, die Projektfotos in Beitragstexte verwandelt, oder eine Suchhilfe für interne Dokumente. Ungeeignet sind Aufgaben, die von Freigaben abhängen, Zugriff auf Produktivsysteme brauchen oder deren Ergebnis niemand am selben Tag beurteilen kann.
Wer eingeladen wird
Mischen Sie bewusst: Verwaltung, Produktion oder Baustelle, Vertrieb, Geschäftsführung. Der größte Erkenntnisgewinn entsteht, wenn jemand aus der Praxis mit jemandem zusammenarbeitet, der die Zahlen kennt. Sechs bis zwölf Personen sind ideal; darüber wird die Abschlussrunde zäh. Auszubildende gehören ausdrücklich dazu – sie haben oft die geringste Hemmschwelle und ziehen andere mit.
Was der Tag kostet und was messbar bleibt
Kalkulieren Sie den Arbeitszeitwert offen ein: zehn Personen, ein Tag. Dagegen stehen zwei messbare Ergebnisse. Erstens eine priorisierte Liste realer Automatisierungskandidaten aus dem eigenen Betrieb – die sonst über Monate zusammengetragen werden müsste. Zweitens eine spürbar niedrigere Hemmschwelle: In den Betrieben, die wir begleitet haben, stieg die Zahl der Menschen, die KI-Werkzeuge im Alltag nutzen, nach einem Hackathon deutlich stärker als nach klassischen Schulungen.
Vom Prototyp zum produktiven Ablauf
Was an einem Tag entsteht, ist bewusst Wegwerfware. Der Übergang gelingt, wenn Sie für die ein bis zwei ausgewählten Ideen dieselben Fragen stellen wie bei jedem anderen Projekt: Welche Daten fließen, wer prüft das Ergebnis, was passiert im Fehlerfall, wer ist zuständig? Erst danach wird sauber neu gebaut – meist in zwei bis drei Wochen.
Häufige Fragen zu KI-Hackathon
Nein. Bei Vibe Coding beschreiben die Teams in normaler Sprache, was sie brauchen. Erfahrungsgemäß kommen die besten Ergebnisse von Menschen, die den jeweiligen Arbeitsablauf am genauesten kennen – nicht von den technikaffinsten.
Ein Arbeitstag reicht: kurzer Einstieg, vier Stunden Arbeit, Präsentationen. Mehrtägige Formate lohnen sich erst, wenn bereits Erfahrung im Team vorhanden ist.
Die entstandenen Prototypen sind bewusst Wegwerfware. Ein bis zwei Ideen werden ausgewählt und danach sauber gebaut, alles andere wird dokumentiert und liegen gelassen.
Es wird ausschließlich mit Testdaten gearbeitet, keine Kundendaten und keine Zugangsdaten. Die Regeln dazu werden vorher schriftlich festgehalten und zu Beginn erklärt.